delirare | zum thema irrsinnsarchitektur

bei prof. marc mer
thema | titel und text: marc mer
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bearbeitung | projekt und dokumentation:
sophie barianidze
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der begriff delirare aus de lira ire  (lat.) mit der bedeutung von der geraden linie abweichen, aus der spur geraten, verrückt sein, überträgt sich auf die konzeption meiner arbeit.
das gewohnte bewegt sich ausserhalb der norm. es ist verrückt und verrückt.

verrücktheit oder irrsinn werden als sinnlose, absurde handlungen verstanden. darstellungen des irrsinns in der kunst zeigen verzerrte mimiken und unnatürlich verdrehte körperhaltungen. „theatralische verrenkungen und widerstrebende bewegungsrichtungen verschiedener körperteile gehören hier ebenso dazu.“1

abgeleitet aus diesen definitionen entwickelt sich die idee der delirare.
das haus, das auf einer festen, gewohnten stelle steht, innerhalb der norm ist, ist das objekt. das haus, in seiner behafteten position. das haus völlig starr. das haus begrenzt in seiner funktion.

das haus. das haus und seine geschossigkeit. der sinn des raumes.
die schichtigkeit des hauses in seiner vertikalität ändert die richtung. der raum dehnt sich in verschiedene richtungen aus. der raum bekommt eine neue bedeutung.
es dringt ein. kann im boden verschwinden.
geschlossen oder offen. beobachten oder beobachtet werden.
das geschoss reduziert sich auf die wesentlichen „sechs mauern“.2 die lust des bewohners zu beobachten, zu kommunizieren, den alltag des wohnens zu wandeln und zu interagieren äußert sich durch die wechselnde bewegung und klappung des privaten raumes, der schicht. der außenstehende im öffentlichen raum kann mit hinein gezogen werden - oder auch nicht. der private raum dringt in den öffentlichen bereich ein - oder umgekehrt. kann sich orthogonal in jede richtung bewegen. kann sich zu jeder richtung öffnen: oben, unten, rechts,links, vorne, hinten. privates und öffentliches verschmelzen sich.        

die verhaltensweise bzw. die bewegung des hauses beruht auf der definition der irrsinnigkeit. das irren bekommt einen sinn. das irren bekommt einen zweck.

das haus äussert sich über die affekte, bewegt sich ausserhalb der norm, entwickelt und wandelt sich in unterschiedliche szenerien. es weicht von der geraden linie ab, es gerät aus der spur, es verrückt. der prozess des eigenen tuns für sich und andere artikulieren sich in einer interaktion. dadurch lassen sich vielfältige beziehungen zwischen räumen herstellen.

 

ein dialog.